Die Musik zu der wir meist tanzen ist schon recht alt und trotz Störgeräuschen unersetzlich. Die tanzbarsten Aufnahmen des Tango Argentino sind am Rio de la Plata zwischen 1930 und 1950  entstanden. In der Época de Oro, den goldenen 40ern, hat der Musikmarkt Bs As über 600  Orquesta Típica und Characteristica ernährt. Über 20 dieser Orchester spielten so überragend,  dass heutige Formationen dem kaum Ebenbürtiges entgegen zu setzen vermögen. Damals haben die  Musiker es irgendwie verstanden, den Tänzern beim Musizieren in Gedanken auf die Füsse zu  schielen und sie so zu beflügeln: Compas y Ritmo y Picado eben. Das wird nie mehr zu toppen sein,  weil die Epoche der Gran Orquestas auch ein Multimillionen-Business war, welches künstlerlisch  enorme Ressourcen freigeschaufelt hat. Denn von tanzbarem Tango Argentino konnten Künstler damals  sehr gut leben und damit manchmal sogar reich werden.    Die musikalischen Macher der Época de Oro – Komponisten, Dichter, Arangeure, Orchesterleiter,  Musiker, Sänger und Tonmeister – haben aber nicht nur aus musikalischer Sicht beispiellose Qualität  geliefert. Das Aufnahmenverfahren der EdO war Hightech pur, ein Direktschnittverfahren mit sehr  viel besserem Sound als gemeinhin angenommen. Meist sind die eher schlechten bis katastrophalen  Restaurationen das eigentliche Problem. Um erfassen zu können, wie atemberaubend grossartig  diese Kreativen musiziert haben, bedarf es auch heute professionellen Equipments aus dem Tonstudio.  So gehört eröffnen diese alten Scherben neue Klangwelten und manche musikalische Leistung  von damals bekommt einen ganz anderen Stellenwert. Und ja – das setzt die Messlatte für  kontemporäre Formationen extrem hoch. Denn Nischenplayer von heute müssen sich mit  Main-Stream-Exponenten von damals messen. Kommt hinzu, dass ein zentrales Element von damals  heut beinahe nicht mehr existent ist. Zumindest nicht auf einem Niveau, welches der Rede wert ist.  Gemeinst sind Tango-Sängern. Mir sind im Moment genau zwei Sänger bekannt, die es künstlerisch  wert sind, sie sich anzuhören. Dem Potential von damals stehen rund 1'500 CDs mit Aufnahme der Época de Oro aus den letzten  20 Jahren gegenüber. Dafür wurden jedoch fast nie Mastermatrizen herangezogen, weil die meisten  Master in den 60ern absichtlich zerstört wurden. Ausgangsmaterial für Restauration ist daher ein  kunterbuntes Gemisch aus Schellacks in mehr oder weniger spielbarem Zustand, in den 50ern  von den damals noch vorhandenen Mastern überspielten Tonbandspulen und allerlei Reeditionen auf LP.  Grundsätzlich lassen sich damit genügend Sorgfalt vorausgesetzt immer noch tolle Resultate erzielen.  Aber auch beste Tonmeister benötigen dafür viel Zeit und teures Equipment. Ein einziger professionell  ausgestatteter Arbeitsplatz für Audio-Restauration kostet zwischen CHF 100'000 und 200'000.  So viel Zeit und Geld investieren die grossen Label – Sony-BMG für RCA-Victor und EMI für Odeon –  nicht gerne im Nischenmarkt Tango Argentino.      Bezogen auf Restauration ist weniger fast immer mehr. Leider konnten viele Tontechniker der Versuchung  nicht widerstehen, mit der rasanten technologischen Entwicklung in Sachen Restauration zu spielen  und haben es dabei übertrieben. Diese Technologie ist übrigens – analog wie digital, Hard- und Software –  ein Abfallprodukt von Lauschtechnik für Geheimdienste. Daher der gitantische Innovationsschub  der letzten 15 Jahre. Der Markt für Audio-Restaurationen hätte, den Entwicklungsaufwand dafür niemals  tragen können. Es liegt in der Natur der Sache, dass zB menschliche Stimmen und der Geräuschteppich  einer Schellack/78er sich weitgehend dasselbe Frequenzspektrum teilen. Wo immer so viel gefiltert  wurde, dass der Geräuschteppich ganz weg ist,– und das ist wegen mangelndem Knowhow leider viel zu  oft gängige Praxis, raubt das der Musik die Seele – jenes Element welches Haare auf dem Unterarm  aufrichtet, einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Resultat: Die Musik atmet nicht mehr. Darunter leiden ganz besonders Sänger, Träger der stärksten Emotionen. Auf schlechten Restaurationen  verlieren sie so ihr ganzes Fundament. Und wir hören die Resonanz des Brustkorbs genausowenig  wie Nuancen der Kehlkopfschwingungen oder Formveränderungen der Mundhöhle. Bei Geigen  geht der Schmelz verloren, sie klingen metallisch-kalt. Bei Bandoneons verblassen die Klangfarben und das Ansauggeräusch des Balgs ist nicht mehr zu hören. Meterlange Flügel werden zu Keyboards  auf Kinderüberraschungs-Niveau. Beim Kontrabass – sowieso das schwächste Glied in der damaligen  Aufnahmekette – macht akzentuiertes Zupfen der Saiten undefinierten, dumpfen Schwingungen Platz.  Und Bassklarinetten verlieren viel ihrer hölzernen Sonorität.     Als TJ vermeide ich natürlich die Arbeit mit prinzipbedingt verlustbehafteten und für grosse Räume  vollkommen ungeeigneten Speicherformaten wie mp3 und Co, weil das eine Negativspirale ohne Ende ist.  Zudem mache ich mir die Mühe, aus zahlreichen Doubletten ein und derselben Aufnahme auf  verschiedensten CDs mittels Mastering-Monitoren die am besten klingende herauszuhören –  mit genügend Restrauschen zwecks reichlich Schmelz und Thrill. Im einen oder anderen Fall – wenn das  Rauschen und Brummen, Klicken und Kratzen gar heftig ist – optimiere ich diese Aufnahme  mit Hilfe von Studiotechnik noch ein ganz kein wenig, aber eben, niemals zu viel. Vor Ort treffe ich als TJ oft auf PA-Equipment, welches für Tango Argentino entweder vollkommen  ungeeignet und/oder in deolatem Zustand ist. Denn DJs, die ein Lautsprecherchassis einmal für  wenige Sekunden übersteuert haben, reichen manchmal bereits damit Musik von akustischen Instrumenten  nur nuch verzerrt wiedergegeben wird. Darum mache ich stets einen Soundcheck. Nicht immer lassen   sich Mägel sofort beheben. Aber schwächen die man kennt, kann man versuchenzu umgehen. Wo immer  möglich verwende ich daher eigenes Equipment von dem ich weiss, dass es klanglich gut genug  und mechanisch wie elektrisch intakt ist. Wo das nicht möglich ist, umgehe ich wenigstens  Mischpult und Equalizer – erfahrungsgemäss fast immer die schwächsten Glieder von PA-Ketten  in Tanzschuppen – und steuere die Endstufen mit guten Kabeln direkt an. Gute Erfahrungen mache ich  zudem immer wieder mit subtilen Anpassungen vor Ort – mittels Equipment auf Mastering-Niveau,  was jedoch ausreichend Vorbereitungszeit zum Einhören und Ausprobieren vor der Milonga bedingt.   Und wozu dieser Aufwand? Schliesslich hören bei weitem nicht alle Tänzer diesen Unterschiede  und estimieren sie auch. Ganz einfach: Weil jeder Tänzer auf gute Klangqualität unbewusst positiv  reagiert. Unser Hirn funktioniert so. Wenn neben der Musikprogrammierung – welche natürlich  stets die erste Geige bei mir spielt – auch die Klangqualität für Furore sorgt, wird mehr und länger getanzt  und vor allem mit besserer Laune. Ausserdem gibt es dann weniger Karambolagen auf dem Parkett.  Denn maltraitierte Ohren ermüden schneller und senden dem Hirn negative Impulse. Das muss nicht sein  an einer schönen Milonga. So viel Respekt und Sorgfalt verdienen die Kreativen, deren Aufnahmen  das Fundament fast jeder grossartigen Milonga bilden. TJ Christian Tobler DJ Argentango Disclaimer Argentango Kontakt Startseite Copyright Links francais espanol Impressum english Argentango Musica Academia Online-Kino
Fragen zum Workshop: mit Argentango reden - Argentangos TJ-Workshop: Alternative und Ergänzung zum eigenen Mentor - TJ-Workshop Buchungbi cleaner Datenstrom Inhalt + Form TJ Christian Tobler TJ-ing Argentango Startseite Buchung Restauration + Wiedergabe Streitpuntk Tandas mit Cortina Musikprotrammierung Audio-Technik aktuelle Gastauftritte
Dieses Angebot von Argentango ist  nicht kommerziell orientiert. Es geht   darum weiterzugeben, was wir uns  im Lauf der Jahre erarbeitet aber auch  von anderen Tänzern, Veranstaltern  und TJs geschenkt bekommen haben.  Davon lebt Tango Argentino auf  allen Ebenen und dazu möchten  wir mit diesem Workshop unseren Teil  beitragen. Es gibt keine fixen Preise.  Das Angebot ist aber auch nicht  kostenlos. Interessierte nehmen bitte  Kontakt mit uns auf.   Voraussetzung Dieses Angebot richtet sich an Tango- Argentino-Liebhaber die sich bereits  Wissen angeeignet haben, sei es als  Tänzer, Faszinierte, Veranstalter oder TJ.  Zum Glück gibt es keine Diplome, keine  Titel für die Tätigkeit des TJ-ing, deren  Knowhow sich kaum im Rahmen üblicher  Bildungsangebote vermitteln lässt. TJ-ing  ist etwas für Autodidakten. Und genau  hier klinkt sich Argentangos TJ-Workshop  ein: Katalysator für eine Entwicklung,  die keine Ende haben muss, damit  TJ-ing auf Jahre hinaus spannend bleibt,  weil der Kreativitätskiller Routine keinen  Platz findet, um sich einzunisten.     Vorbereitung  Dieses Angebot setzt voraus, das alle  Teilnehmer bereits eine mehr oder weniger  grosse Tangothek besitzen und diese  auch in eine für TJ-ing geeignete From  gebacht haben. Fünfzig CDs von  EdO-Orchestern sollten es schon sein  und 500 CDs sind bestimmt nicht verkehrt.  Falls die eigene Tangothek kleiner als  50 CDs ist, bitte vor einer Anmeldung  Kontakt mit uns aufnehmen, damit  im persönlichen Gespräch geklärt  werden kann, ob und wie eine Teilnahme  Sinn macht. Die Teilnehmer erhalten im  Vorfeld von Argentango einige CDs mit  Musik eines Orchesters, mit dem sie  sich bitte bis zum Start des Workshops  bestens vertraut machen. Denn damit  wird im Workshop trainiert und die  Ergebnisse hinterher diskutiert.    Equipment  Dieses Angebot geht im Teil über Audio- Technik detailliert auf TJ-ing mit Laptops ein,  weil deren Infrarstuktur richtig aufgebaut  einer spontanen und kreativen Musik- Programmation entgegen kommt. TJs die  mit CD-Spielern arbeiten, sind aber in  keiner Weise ausgeschlossen. Für sie ist  ein Teil der Information zur Technik  im Moment vielleicht noch ohne Bedeutung.  Alle Teilnehmer bringen das Equipment  mit, mit dem sie Milongas beschallen.  Für Laptop-TJs ist das im Minimum  ein Laptop mit Zubehör und Kopfhörer.  Für CD-TJs ist das im Minimum eine  Tasche mit CDs, ein CD-Spieler und ein  Kopfhörer. Jeder TJ kennt sein Equipment  aus dem Effeff heraus, weil für deren  Erlernen während des Workshops keine  Zeit ist. So viel Professionalität schuldet  jeder TJ den anderen Teilnehmern.    Nachbearbeitung  Dieses Angebot vermittelt Knowhow und  schenkt Impulse. Beides bedarf einer  individuellen Nachbearbeitung durch jeden  einzelnen TJ als Autodidakt. Ob das  Tage oder Wochen, Monate oder Jahre  dauert wird, hängt von Anspruch und  Möglichkeiten jedes einzelnen TJs ab.  Denn mit dem vermittelten Instrumentarium  öffnen sich neue Türen.   Ausrichtung Diese Angebot vermittelt einen differen- zierten Umgang mit dem Repertoire  der EdO, der Epoca de Oro, den  Aufnahmen zwischen 1935 und 55.  Es wird auch darauf eingegangen, wie  und in welchem Mass Raum für frühere  oder spätere Aufnahmen an einer  inspirierenden Milonga vorhanden ist.  Im Workshop wird natürlich auf das  Konzept der Steuerung des Spannungs- bogens mittels Tandas mit Cortina  eingegangen. Für Nonargentango,  Nontango, Tango Nuevo und Elekto- was-auch-immer gibt es in diesem  Workshop aus Zeitgründen keinen  Platz. Das ist aber weder Wertung noch  Dogma. TJs die in der Lage sind,  gekonnt eine traditionelle Milonga zu  musikprogrammieren können auch mit  anderem Musikmaterial etwas auf  die Beine stellen, das nicht nur tanzbar  ist, sondern auch Spass macht. Ob ein  TJ so was will ist eine andere Frage.  Anders herum hingegen funktioniert nicht.  Wer als TJ aus dem Non-und-Nuevo- Bereich kommt und die Mechanismen  einer traditionellen  Milonga und die  dazugehörige Tangothek nicht aus  dem Effeff kennt, wird Tänzern beim  Versuch eine klassische Milonga zu  musikprogrammieren viel Frust verschaffen.  TJ-ing ist ein Handwerk und Handwerk  bedingt Können – umfassendes Können.       Zukunft Dieses Angebot ist nicht das Ende der  Fahnenstange. Argentango denkt jetzt schon darüber nach, was ein weiter- führender Workshop beinhalten könnte.  Denn drei Tage sind wenig Zeit. Da kann  vieles lediglich angeschnitten werden,  das einer vertieften Beschäftigung bedarf.  Und manches was wichtig wäre,  kann leider überhaupt nicht thematisiert  werden. Es wird noch  einzwei Jahre  dauern, bevor so ein Angebot Realität ist.  Aber wir arbeiten daran.
Mail an TJ tradicional Christian Tobler